Humboldtschule Bad Homburg Unesco-Projektschule

Latein

Die lateinische Sprache hatte die Funktion der lingua franca zur Zeit des die Geschichte Europas bis in die Gegenwart prägenden römischen Weltreiches und in der europäischen Geisteswelt bis zum Beginn der Neuzeit inne. Das frühe europäische Selbstverständnis ist in lateinischen Quellen niedergelegt. Daher bieten der Erwerb der lateinischen Sprache und die Auseinandersetzung mit lateinischen Originaltexten in ihrem jeweiligen kulturellen Kontext eine wesentliche Ergänzung zum muttersprachlichen Unterricht und zu den modernen Fremdsprachen.

Während die modernen Fremdsprachen vornehmlich darauf ausgerichtet sind, die Sprachverwendung der Zielkultur in der Gegenwart zu erschließen, eröffnet das Lateinische einen Zugang zur Vergangenheit, der griechisch-römischen Antike und den folgenden Epochen. Die griechisch-römische Antike stellt Ursprung und gemeinsame Wurzel des zunehmend zusammenwachsenden modernen Europas dar und prägt seine Werte zusammen mit dem jüdisch-christlichen Gedankengut von der Antike bis heute maßgeblich. Daraus ergibt sich ein Anknüpfungspunkt für die modernen Fremdsprachen bezüglich der Wirkungsgeschichte antiker Wertvorstellungen und politischer Ideen. Somit kommt dem Lateinunterricht gerade in der heutigenZeit eine aktuelle Bedeutung zu.

(Auszug aus dem Lehrplan Latein 2010)

Latein ist keineswegs eine "tote Sprache". Wer Latein lernt, wird in vielen Bereichen seines Lebens davon profitieren. Hier nur die wichtigsten Gründe in Stichworten:

  • Viele Fremdwörter entstammen dem Lateinischen.
  • Die Grammatik anderer Sprachen wird verständlicher.
  • Moderne romanische Fremdsprachen sind erheblich leichter erlernbar.
  • Lateinunterricht schärft das strukturelle Denken.
  • Latein hat einen hohen allgemeinbildenden Wert.
  • Das Latinum ist für viele Studienabschlüsse verpflichtend.

Latein ist also ein Fach, das einem schon während der Schulzeit, aber auch im späteren Leben in vielerlei Hinsicht nützen kann.

Während der Schulzeit bietet das Fach Latein vor allem den Vorteil, dass Bezüge zu vielen anderen Unterrichtsfächern hergestellt werden können:

  • Im Unterschied zu den modernen Fremdsprachen lernt man im Lateinunterricht nicht, die Sprache selbst zu sprechen, sondern man übersetzt lateinische Texte ins Deutsche. Das bedeutet, dass man die Struktur und Grammatik der Sprache sehr genau betrachtet. Das hilft den Schülern dann sicher im Deutschunterricht und im Unterricht moderner Fremdsprachen, zumal die ganzen Fachbegriffe, die man dort verwendet, aus dem Lateinischen stammen. Darüber hinaus gibt es natürlich auch viele inhaltliche Beziehungen zwischen Deutschunterricht und griechisch-römischer Antike. Man denke nur an Homers Epen oder die griechischen Tragödien, die im Lateinunterricht ständig vorkommen.
  • Mit dem Fach Geschichte sind die Überschneidungen besonders deutlich. Dies gilt selbstverständlich vor allem für die Antike, aber auch das Mittelalter und die Neuzeit sind ohne Latein nicht denkbar.
  • Ähnliches gilt für die Religion, die Philosophie, die Musik und die Kunst. Immer wieder tauchen Inhalte aus der Antike auf, die man im Lateinunterricht von den Grundlagen her kennenlernt.
  • Selbst zu den Naturwissenschaften und zur Mathematik lassen sich Bezüge herstellen. So lernt man im Lateinunterricht viel über das Leben von Menschen, deren Erkenntnisse für die Physik oder die Mathematik bedeutsam sind (Archimedes, Thales, Pythagoras u.a.).

Nach der Schulzeit kann es besonders aus zwei Gründen wichtig sein, Latein gelernt zu haben:

  • Wer Romanistik, Theologie, Geschichte oder Archäologie studieren will, muss das Latinum zwar nicht mitbringen, aber zum Examen vorweisen. Man kann es nachmachen, aber das kostet viel Zeit und Mühe. Wer es also schon von der Schule mitbringt, hat den Vorteil, sofort mit seinem Fach starten zu können.
  • Unsere westeuropäische Kultur basiert auf der griechisch-römischen Antike. Ob man in Museen geht, eine Oper besucht oder im Mittelmeerraum Urlaub macht: Immer wieder stößt man auf Spuren der Antike. Diese Spuren dann einordnen, von ihnen aus weiterdenken und Bezüge herstellen zu können, sei es zur Geschichte oder zur Gegenwart, macht sehr viel Spaß und hält zugleich unserer heutigen Welt einen Spiegel vor.

Seit dem Schuljahr 2012/13 kann Latein bei entsprechendem Bedarf auch als Leistungskurs gewählt werden.