Humboldtschule Bad Homburg Unesco-Projektschule

Katholische Religion

Wie kein anderes Schulfach fragt der Religionsunterricht auf der Grundlage reflektierter Tradition nach dem Ganzen und nach dem Sinn des menschlichen Lebens und der Welt. Er leistet einen eigenständigen und unersetzlichen Beitrag zum Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule und zur Identitätsfindung und Lebensbewältigung junger Menschen. Junge Menschen sollen ein freies, selbstbestimmtes Verhältnis zu Religion und Glauben gewinnen. Religionsmündigkeit umfasst sowohl die Zustimmungsfähigkeit zu Bekenntnis und Lehre der eigenen Religion als auch Zugang zu der konkreten Lebensform der eigenen Bekenntnisgemeinschaft, die sich ausdrückt in Liturgie, Ethos, Diakonie und Tradition.

Die Entfaltung der Inhalte im Lehrplan in fünf Begegnungsfelder legt den Akzent darauf, dass im Bereich des religiösen Lernens der Weg der Begegnung unabdingbar ist.

Begegnung mit sich selbst

Der Beitrag des Religionsunterrichtes zur Identitätsfindung der Schülerinnen und Schüler ist die Ermutigung für sie, zu Menschen zu werden, die frei werden können von ungerechtfertigten Einengungen und Vorschriften. Der Religionsunterricht unterstützt sie bei den Fragen nach dem Woher, Wozu und Wohin des Lebens. Die jungen Menschen stehen in der Herausforderung, ihre eigenen Möglichkeiten wahrzunehmen und zu gestalten. In dieser Herausforderung kann der Religionsunterricht dazu beitragen, ihr Selbstvertrauen zu stärken.

Begegnung mit anderen Menschen und der Schöpfung

Indem der Mensch seinem Leben durch gelebte Liebe Sinn gibt, verwirklicht er auch die Liebe zu Gott. Im Religionsunterricht sollen sich die Schülerinnen und Schüler damit auseinandersetzen, was Christsein in der Gesellschaft konkret bedeuten kann. Die Nächstenliebe ist das Grundprinzip christlichen Handelns. Sie ist oft schwer vollziehbar. Ihre Verwirklichung stößt dort an Grenzen, wo junge Menschen die Erfahrung machen müssen, dass Liebe und Barmherzigkeit sich im Leben nicht auszahlen.

Aber auch bei sich selbst erfährt der Mensch immer wieder Versagen und Verstrickung in Schuld. Die biblische Botschaft von Umkehr und Versöhnung ermöglicht einen Neuanfang. Ein wichtiges Leitmotiv des verantwortungsbewussten Mitgestaltens der Welt ist soziale Gerechtigkeit, die sich an der Botschaft von Gottes Gerechtigkeit und Barmherzigkeit orientiert.

Begegnung mit anderen Religionen und Weltdeutungen

Zum Gegenstandsbereich des Religionsunterrichtes zählen auch die religiöse Sozialisation der Schülerinnen und Schüler, die Reflexion ihrer Gottesvorstellungen, die Glaubenshaltungen und Glaubenspraxis der Menschen ihres Erfahrungsbereiches, die vielfältigen Erfahrungen und Gestaltungsformen religiösen Lebens. Schulklassen sind Orte, an denen Begegnung mit anderen religiösen Auffassungen stattfindet. Kinder und Jugendliche begegnen in der Schule Menschen, die keine Christen sind, und erfahren im Schulalltag Elemente anderer Religionen. Ein Ziel des Religionsunterrichtes muss es sein, Begegnung mit anderen Religionen zu ermöglichen und dabei den eigenen Standpunkt immer neu zu sehen und zu festigen.

Begegnung mit der biblischen Botschaft

Die biblische Botschaft von der Fülle des Lebens, der „Hoffnung wider alle Hoffnung“ kann für Jugendliche lebensorientierend sein. Sie bietet nämlich konkrete und alternative Modelle eines humanen Lebens, Beispiele und Verhaltensmuster, weil sie die Ängste und Zweifel, Zwänge, Misserfolge, Grenzerfahrungen überwinden hilft, weil sie Leben, Befreiung, Hoffnung im Blick auf eine endgültige Wirklichkeit zur Durchsetzung bringt. An der Bibel orientierter Religionsunterricht muss diese Grundzusagen zum Tragen bringen.

Begegnung mit der Kirche

Kirche versteht sich als Gemeinschaft im Glauben an den auferweckten Christus. Der Glaube wird sichtbar in Diakonie, Gottesdienst und Verkündigung. Diese Grundfunktionen christlicher Gemeinschaft sind nicht auf den binnenkirchlichen Bereich beschränkt. Der Auftrag des erhöhten Herrn, in alle Welt zu gehen und Kunde von dieser Botschaft zu geben, enthält die Verpflichtung, die Welt in christlichem Geist zu gestalten. Bei der Bewältigung dieser Aufgabe steht die Kirche oft in der Spannung zwischen Bewahrung des Glaubensfundamentes und Wagnis einer zeitgemäßen Weitergabe des Glaubens.

Kirche ist eine sich ständig wandelnde Gemeinschaft, die sich auf ihrem Weg durch die Zeiten vom Heiligen Geist geleitet weiß. Auf diesem Weg durch die Geschichte hat die Kirche als Gemeinschaft von Sündern auch immer wieder versagt und sich schuldig gemacht. Jede Zeit stellt an die Kirche neue Herausforderungen, die auf der Grundlage eines christlichen Menschenbildes und einer christlichen Ethik zu bewältigen sind. Kirche hat angesichts der zahlreichen Trennungen und Entzweiungen in der Vergangenheit im Blick auf das gemeinsame Erbe die Aufgabe, Wege der Einheit kreativ zu gehen. Die Herausforderungen der Zeit haben die christlichen Kirchen im ökumenischen Miteinander intensiv anzugehen.

(Auszug aus dem Lehrplan Katholische Religion 2010)