Humboldtschule Bad Homburg Unesco-Projektschule

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Nachlese - Unser UNESCO Projekttag

Datum: 01.05.2016
Zeit: 17:49
Kategorien: Neuigkeiten

 „Decorum, please!“ schallt es durch den „Sitzungssaal“ im Oberstufengebäude der Humboldtschule. Sophie von Wuthenau, Schülerin des Bad Homburger Gymnasiums, leitet eine UN-Simulation an diesem Projekttag und mahnt ihre Mitschüler im ernsthaften Ton zur Ruhe. Diese sitzen an Tischen hinter ihren Ländernamen, kleine Fähnchen markieren ihr Herkunftsland, dessen Interessen sie an diesem Vormittag souverän am Rednerpult vertreten. Wer als Überraschungsgast dazustößt, ist nicht nur überrascht angesichts der hohen Disziplin und Ernsthaftigkeit, mit der die Gymnasiasten hier kooperieren, sondern auch von der souveränen Eloquenz, mit der die Schüler und Schülerinnen auf Englisch nonchalant kommunizieren, als täten sie dies jeden Tag. Wer dabei nicht aus den Fenstern über die Dächer Bad Homburgs blickt, meint unverhofft ins Hauptquartier der UN in New York verschlagen worden zu sein: Im vergangenen Jahr erst war eine Gruppe von Schülern im Rahmen von Model United Nations dorthin gereist und hatte eine Sitzung hautnah miterleben dürfen. Dass einige von ihnen auf die Initiative der POWI-Lehrer Dr. Hautmann und Frau Döpke ihre Begeisterung und ihr Interesse nun auch einer größeren Schulgemeinschaft vermitteln wollen, nimmt da nicht wunder. „Wir wollen einfach im kleinen Rahmen unsere Erfahrungen weitergeben“, so Sophie Rösger aus der Q2, die zu Beginn auf fließenden Englisch in die Materie einführt. 

 

Eine Etage höher stöhnt Delfina Jakovic unter dem Gewicht eines großen Sacks mit der Aufschrift Café do Brasil: Gefüllt ist dieses leinene Ungetüm mit Kakaobohnen und wiegt ganze 30 Kilo. „Da gehe ich doch lieber in die Schule - mein Ranzen ist zwar auch ganz schön schwer,aber noch lange nicht so“,  bilanziert Delfina. Die Fünftklässlerin nimmt teil an einem Projekt mit unterschiedlichen Stationen, die sich dem Thema Schokolade verschrieben haben – das da auch Kinderarbeit thematisiert wird, liegt da natürlich auf der Hand. Wer Jean Baptiste auf dieser Reise von Station zu Station kennen lernt, wird nicht nur wissen, dass es ein Privileg ist, in die Schule gehen zu dürfen, sondern dass es besonders wichtig ist, beim Schokoladenkauf auf ein Fairtrade-Siegel zu achten. „Wenn ich das nächste Mal mit meiner Mutter einkaufen gehe“, so Katharina Herzog, „werde ich sie darauf aufmerksam machen und sie bitten nur Schokolade mit einem Siegel zu kaufen.“ 

Auf dem Weg über dem Schulhof kommt der Besucher an den Schülern der 5d vorbei, die gemeinsam mit ihrer Klassenlehrerin Andrea Günther und Biologielehrerin Annekatrin Eppenstein behutsam Sonnenblumenkerne in die Erde setzen. Seit 2013 schon übernehmen dies Fünftklässler der Humboldtschule. Vor drei Jahren haben  alle UNESCO-Projektschulen Samen der gelben Riesen gesetzt: Die Sonnenblumen erinnern die Schulgemeinde dann im weiteren Verlauf des Schuljahres mit leuchtender Kraft nicht nur an den vergangenen Projekttag, sondern auch an die Ziele der UNESCO, „die wir ja alle gemeinsam verfolgen wollen“, so Lehrerin Anne Tackenberg.  

In der Pausenhalle wühlen derweil die Schüler der 6h in Bergen von mitgebrachten Altkleidern und hantieren mit ausrangierten Fahrradschläuchen: Timo bastelt hochkonzentriert an einem Armband, während seine Sitznachbarin emsig an einer Tasche aus einem alten T-Shirt schneidert. Gemeinsam recyclen die Kinder alte Klamotten, nachdem sie zuvor in einem Workshop viele interessante Dinge über die Herstellung von Kleidung und die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie gelernt haben. Nachhaltigkeit, das sieht der aufmerksame Besucher auch anhand der vielerorts aufgestellten farblich markierten Tonnen, wird an der Humboldtschule nicht nur am Projekttag groß geschrieben. 

Über den Gang tönen afrikanische Klänge und exotische Gerüche  ziehen die Vorübergehenden magisch an. Die 7 f und 7g haben sich ganz dem Thema Äthiopien verschrieben und hören dem Referenten, Paul Schlechtriemen, aufmerksam zu. Der pensionierte Lehrer aus Bonn, der sich, wie er sagt, schon bei seinem ersten Besuch ins Land verliebt habe, sprüht vor Begeisterung und atmet Leidenschaft  für Land und Leute mit jeder Faser seiner Haut. Kein Wunder also, dass die Schüler an seinen Lippen hängen und begeistert kleine Projekte erarbeiten und diese dann gemeinsam präsentieren. 

Auf dem Weg nach draußen dann, beim verstohlenen Blick in die Aula, kann man der Klasse 8g über die Schulter blicken, die die Bühne erobert hat und im Rahmen eines Theaterworkshops gemeinsam  kleine Szenen zum Thema Immigration und Integration entwickelt. Am Ende dann, als der Tag eigentlich schon vorbei ist, fragt Elena die Theaterpädagogin Stephanie Zellmann, ob man noch einmal den gordischen Knoten machen könne. Ihre Klassenkameraden stürmen auf die Bühne und die Schüler greifen gegenseitig nach ihren Händen. Dass der Pausengong da schon lange getönt hat, bekommen die Schüler an diesem Schultag der besonderen Art gar nicht mit – sie wuseln weiter auf der Bühne.

Schon heute darf man gespannt sein, was die Humboldtschule im nächsten Jahr wieder so alles auffahren wird, wenn es heißt: „UNESCO-Projekttag 2017. (Hundt)