Humboldtschule

 

 

 

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Erfahrungsbericht über einen Auslandsaufenthalt in Neuseeland 2004/05

Hallo, mein Name ist Lisa und ich habe 11 Monate in Wellington, der Hauptstadt von Neuseeland, verbracht. Ich habe dazu keine Organisation eingeschaltet, denn in der Regel haben alle neuseeländischen Schulen ein Programm für „International Fee Paying Students“, das die Vermittlung von Gastfamilie und so weiter vorsieht, denn es kommen sehr viele International Students aus dem asiatischen Raum nach NZ, die oftmals mehrere Jahre dort verbringen, um ihre gesamte schulische Ausbildung zu abolvieren. Ich habe mich also direkt beim Wellington Girls’ College, der ersten öffentlichen Mädchenschule in Wellington, beworben und wurde auch angenommen. Den Flug musste ich selber buchen, das Visum selbst organisieren und natürlich hatte ich auch keine Vorbereitungstreffen, aber ich bin auch ohne diese wunderbar klar gekommen und außerdem war diese Alternative sehr viel billiger, als eine Organisation dazwischenzuschalten.

Einige Monate vor meiner Abreise hatte ich also alles organisiert und wartete dann nur noch auf meine Gastfamilie, die ich eine Woche vor Abreise „erhielt“. Ich reiste Anfang der unsrigen Sommerferien im Juli 04 ab und sollte zum zweiten Halbjahr in Neuseeland ankommen. Der Tag meiner Ankunft war sicherlich nicht der schönste meines Aufenthalts, ich war total fertig von dem langen Flug und kannte nichts und niemanden. Wirkliches Heimweh hatte ich zwar nicht, aber ich war heilfroh, dass ich erstmal geplant hatte, nur für ein halbes Jahr zu bleiben. Das änderte sich aber ziemlich schnell. Ich hatte noch Ferien und meine Gastfamilie zeigte mir erstmal die Umgebung, sodass ich mich relativ schnell eingewöhnte und sicher war, dass ich es hier auch ein ganzes Jahr aushalten würde.

Mit meiner Gastfamilie hatte ich unglaubliches Glück! Sie bestand aus Mutter, Vater und drei Töchtern, von denen die älteste in Australien auf eine Balletschule ging. Am Anfang mussten wir uns natürlich erstmal kennen lernen, aber als wir uns ca. nach dem ersten halben Jahr richtig gut kannten, wurde sie immer mehr wie eine richtige Familie für mich und vor allem mit meinem Gastvater und meiner gleichaltrigen Gastschwester verstand ich mich sehr gut. Sie machten sehr viel mit mir, ich glaube mein Gastvater war richtig glücklich, einen „Vorwand“ zu haben, um wandern zu gehen und öfters übers Wochenende wegzufahren. Wir gingen oft wandern, ein paar Mal angeln, und sogar tauchen! Meine gesamte „Gastgroßfamilie“ nahm mich sehr offen auf, unterhielten sich mit mir über Deutschland, usw. Auch zur Kirchenjugendgruppe haben mich meine Gastschwestern mitgenommen, was mir sehr viel Spaß gemacht hat, weil ich dort unglaublich nette Leute kennen gelernt habe, mit denen wir auf Camps und Skifahren usw gefahren. Ich habe mich also wirklich bei ihnen wohl gefühlt. Natürlich gehört auch eine ordentliche Portion Glück dazu, beim ersten Mal die perfekte Familie zu finden und damit rechnen sollte man sicherlich nicht. Ich habe eigentlich fest damit gerechnet, die Familie mindestens einmal wechseln zu müssen, da mich die Homestaymanagerin der Schule nur von einigen Emails kannte und auch nur einmal bei meiner Gastfamilie gewesen war.

Meistens ist es so, das die Gastfamilien pro Woche ca. 100 Euro für die Verpflegung des Gastschülers bekommen. Das klingt nicht so gut, weil es sicher immer mal wieder Familien gibt, die nur des Geldes wegen Schüler aufnehmen, aber generell ist das wirklich kein negativer Aspekt; meine Gastfamilie hätte es sich z. B. ohne diesen Zuschuss kaum leisten können, einen Gastschüler aufzunehmen.

Zur Schule: Ich kann das Wellington Girls College nur empfehlen!!! Es ist akademisch eine gute Schule (vielleicht nicht unbedingt im Vergleich zu Deutschland, aber auf jeden Fall im Vergleich zu anderen dortigen Schulen), und die zuständigen Leute für die International Students sind prima! Die Homestaymanagerin der Schule, die alle Gastfamilien vermittelt hat und auch bei sonstigen Angelegenheiten zur Verfügung stand, hat sich unglaublich lieb um alle gekümmert, war immer für mich da und hat mich auch mehrmals mit in ihr Ferienhaus genommen. Letztens hat sie mich sogar in Deutschland besucht. Auch das Sport- und Musikangebot an der Schule ist sehr umfassend, überhaupt kein Vergleich mit Deutschland! Man kann so gut wie jede Sportart machen und sogar umsonst ein Musikinstrument erlernen. Ich fand es auch ganz lustig, einmal eine Mädchenschule zu besuchen, obwohl ich eigentlich keine großen Unterschiede zur gemischten Schule festgestellt habe.

Mir persönlich hat die Schule eigenlich nicht so viel Spaß gemacht, WGC ist zwar wirklich top, aber den Unterricht empfand ich als ziemlich langweilig verglichen zu uns. An die PisaStudie glaub ich schon längst nicht mehr, in der ist Neuseeland nämlich auf dem 3. Platz und da kann ja irgendwas nicht stimmen!!! Ich war dort erst in der 12., dann in der 13. Klasse und kam mit dem Stoff eigenlich gut mit, obwohl ich hier erst in der 11. Klasse gewesen wäre. Man belegt dort auch nur 5 oder 6 Fächer und hat nur 6 Stunden am Tag. Die Fremdsprachen kann man komplett in die Tonne hauen, sie fangen erst in der 9. Klasse mit Fremdsprachen an und dementsprechend fürchterlich sprechen sie sie auch! Mathe und Bio waren zwar anspruchsvoller, aber eigentlich auch nur, weil es komplett Frontalunterricht war und ich nach 5 min abschaltete, weil ich nicht mehr zuhören konnte. So ging es auch den Neuseeländern, nur war ich zu faul, das ganze zu Hause noch nachzuarbeiten, also bin ich in den Fächern nicht so gut mitgekommen. Macht aber ja auch nix. Mal ehrlich, Pisa Studie hin oder her, in Deutschland lernt man echt am meisten! Wer im Auslandsjahr was lernen will, muss halt in ein Internat gehen.

Außerdem habe ich es als echt schwierig empfunden, Zugang zu den neuseeländischen Mädchen zu bekommen. Vielleicht lags ja an mir, aber scheinbar hatten viele das gleiche Problem. Lasst euch davon aber nur nicht abschrecken! Ich habe viele Freundschaften unter den anderen Internationals geschlossen und außerdem hatte ich ja meine Gastfamilie und die Kirche. Neben der Schule habe ich noch Klavier- und Cellounterricht genommen, und Fußball und Volleyball gespielt. Einen Volkshochschulkurs für „Woodwork“ habe ich auch belegt, was viel Spaß gemacht hat.

Als schulisch verloren würde ich das Jahr auf keinen Fall bezeichnen, auch wenn ich nicht sonderlich viel gelernt habe, es ist auf jeden Fall eine tolle Erfahrung, diesen ziemlich anderen Schulgeist mitzuerleben!

Große kulturelle Unterschiede gibt es zwischen Neuseeland und Deutschland nicht, einen Kulturschock bekommt man also bestimmt nicht. Das Englischlernen ist mir eigentlich relativ leicht gefallen. Am Anfang habe ich wirklich kaum etwas verstanden, aber ich konnte mir richtig selbst zusehen, wie ich immer besser wurde. Zum Schluss habe ich sogar im Fernsehen alles verstanden, als wäre es Deutsch.

Ich habe mehrere Rundreisen in Neuseeland gemacht, was ich seeehr empfehle!!! Es bietet sich ja auch an, Neuseeland ist kaum bevölkert, sauber, sicher und soooooooo schön!!! Zuerst habe ich mit einer anderen Deutschen eine 5tägige Rundtour auf der Nordinsel gemacht; das war schön, aber noch schöner war es, als mich meine Mutter und Schwester in den dortigen Sommerferien, also Dezember/Januar besucht haben. Es war sehr schön, dass sie auch meine Gastfamilie kennen lernen und sehen konnten, wo ich ein halbes Jahr gewohnt hatte. Zusammen bereisten wir Nord- und Südinsel, leider erwischten wir den schlechtesten Sommer seit 60 Jahren, aber trotzdem war es ein unvergessliches Erlebnis! Später in den Herbsterien, also im April, habe ich eine Ferientour extra für Schüler gemacht, die alle möglichen Outdoor – Activities wie Kanufahren, Klettern, Camping etc beinhaltete. Diese Reisen kann ich auch nur empfehlen!!! Sie sind zwar nicht ganz billig, aber unvergesslich! Organisiert werden sie von einigen Outdoor – Lehrern (das gibt es als Schulfach an manchen Schulen!) und nennen sich „Learning Adventures“. Diese Tour war ganz bestimmt ein besonderes Highlight meines Aufenthalts, also wenn ihr die Gelegenheit habt, macht auf alle Fälle so eine Tour!!!

Eigentlich hatte ich geplant, im Januar, also mit meiner Mutter u. Schwester, wieder nach Hause zurückzufliegen, aber ich entschied mich, den Aufenthalt auf ein Jahr zu verlängern; das war die beste Entscheidung meines Lebens! Natürlich ist ein halbes Jahr besser als nichts, aber ein ganzes ist einfach schöner! Es dauert schon ein halbes Jahr, bis man sich richtig richtig eingelebt hat und bis man die Gastfamilie so richtig kennt. Dies klingt zwar total erschreckend, aber während den ersten Monaten ist man so mit Einleben beschäftigt, dass man gar nicht merkt, dass man mehrere Monate dafür braucht. Mir haben eigentlich die letzten Monate meines Aufenthalts am besten gefallen.

Irgendwann hieß es dann auch Abschied nehmen; es war wirklich das komischste aller Gefühle, mir vorzustellen, meine Gastfamilie zu verlassen und wieder nach Hause zu gehen! Natürlich habe ich mich auch wieder unglaublich auf zu Hause (und vor allem auf den Fanzösischunterricht zu Hause!!!!!) gefreut, aber der Abschied fiel mir unglaublich schwer. Vor allem, weil ich wusste, dass es ein Abschied für seehr lange sein wird, denn weiter weg als NZ geht kaum. Das ist der Vorteil, wenn man in ein europäisches Land geht, man kann die Leute leichter wiedersehen. Beim entgültigen Abschied am Flughafen habe ich Rotz und Wasser geheult, aber irgendwann während der 30 Stunden Flug habe ich mich dann doch wieder richtig auf zu Hause gefreut. Die Ankunft war total schön, es war einfach toll, Familie und Freunde (und Haustiere) nach so langer Zeit wiederzusehen! Irgendwie war es aber auch ein Schock, wieder daheim zu sein. Ich habe mir in den ersten Tagen öfters sehnsüchtig gewünscht, wieder „zu Hause“ in NZ zu sein, weil hier alles so komisch war, aber irgendwann kommt man dann auch wieder auf den Teppich zurück. Nach ein, zwei Wochen habe ich mich eigentlich wieder gut zu Hause eingelebt. Ich bin auch noch anderthalb Monate in die Schule gegangen, was gar nicht schlecht war, um wieder zurückzufinden.

Für die anschließenden Sommerferien hatten einige Eltern eine Sommerschule organisiert, die in vier Wochen nochmal den wichtigsten Stoff der 11. Klasse nachholte. Dafür hatten wir dann zwar nur zwei Wochen Sommerferien, aber gelohnt hat sich diese Mühe auf jeden Fall! (Vor allem für Mathe..!) Generell lernt man im Ausland zwar weniger als hier, aber das macht wirklich nichts, sooo wichtig scheint die 11.Klasse nicht zu sein, bisher sind glaub ich alle eigentlich wieder gut mitgekommen. Mathe ist halt das einzige, wo es schwieriger wird, aber wenn man da ein bisschen nacharbeitet, ist das auch kein Problem. Und selbst wenn ihr wiederholen müsst – die Erfahrung im Ausland ist das allemal wert!!!

Konkrete Tipps:

Planung:

Wie gesagt, für NZ empfiehlt es sich, keine Organisation einzuschalten. Man muss generell Schulgeld zahlen als International Student, auch die Gastfamilien bekommen meistens Geld. Wer das nicht zahlen will/kann, sollte mal bei Organisationen wie AFS gucken, von denen habe ich nur Gutes gehört und wenn man über die nach NZ geht, muss man kein Schulgeld zahlen und auch die Gastfamilie bekommt kein Geld.

Man kann beim Neuseeländischen Generalkonsulat in Hamburg ein Verzeichnis der meisten neuseeländischen Schulen mit Beschreibung, Adressen, Kosten etc anfordern (nicht vergessen: WELLINGTON GIRLS COLLEGE ;o)!!!), das fand ich persönlich sehr hilfreich bei der Auswahl.

Ich glaube, es ist klüger, eher in eine größere Stadt als in ein kleines Kaff zu gehen, weil man in der Stadt einfach mehr Möglichkeiten hat. Auf dem Land ist man sehr auf sein Auto angewiesen, und in der Stadt gibt es Busse. Und eine neuseeländische große Stadt ist ohnehin höchstens so groß wie Bad Homburg ;)! Wellington ist auch sehr empfehlenswert für den Aufenthalt! Die Stadt ist richtig richtig schön, mit 400.000 Einwohnern nicht zu groß, der Verkehr ist gut geregelt, und es ist sehr zentral, man ist mit der Fähre nämlich schnell auf der Südinsel – sehr praktisch für Reisen!

Den Flug solltet ihr auf jeden Fall rechtzeitig buchen, damit ihr die billigen Tarife kriegt!!! Der Flug ist ohnehin schweineteuer, und wenn man zu spät bucht, wird’s nochmal teurer. Ich habe den Flug über STA Travel gebucht, die kann ich sehr empfehlen, die sind nämlich vor allem was Schülertarife angeht, auf dem Laufenden.

Ach ja, das neuseeländische Schuljahr beginnt ja im Januar, das ist ein bisschen doof, aber wenn ihr es einrichten könnt, versucht doch, von Januar bis Dezember zu bleiben! Ich glaube, das ist von der Schule her sehr viel schöner, weil man mit Sicherheit besseren Anschluss zu den Leuten bekommt

Aufenthalt:

Man darf nicht viel Freigepäck mitnehmen, also nehmt auch wirklich nur das Nötigste mit! Ich hab den Fehler gemacht, zwei Koffer mitzunehmen und musste auf dem Rückweg seeehr viel dafür bezahlen! (Für das Geld hätte ich mir den Inhalt wahrscheinlich nochmal kaufen können.) Man kann mit 20 Kilos auskommen, nehmt einfach alles in Handgepäck, das wiegt eh kein Mensch und was ihr braucht, könnt ihr dort noch kaufen. Kleidung kriegt man dort z. B. viel billiger als hier!

Zum Telefonieren: Es gibt eine Internetseite, www.billigertelefonieren.de , da stehen immer die günstigsten Tarife für die ganze Welt, da können dann eure Eltern nachgucken, wenn sie euch anrufen wollen. Meine Mutter hat teilweise billiger mit mir in NZ telefoniert, als mit meiner Tante in Wiesbaden. Wir haben ca. einmal pro Woche telefoniert und ansonsten geemailt.

MACHT AUF JEDEN FALL EINE RUNDREISE, WENN IHR IN NZ SEID!!!!!!!!!!!! Wie gesagt, „Learning Adventures“ sind sehr empfehlenswert, dann gibt es noch ein „Sir Edmund Hillary Outdoor Pursuits Centre“ in einem Nationalpark auf der Nordinsel, ich war da zwar nicht, aber es wurde mir sehr empfohlen. Aber die Homestay manager in der Schule helfen da bestimmt auch gern weiter.

Rückkehr:

Für mich ist der msn Messenger lebensrettend geworden, seit ich wieder hin, über den kann ich immer mit meiner Gastfamilie chatten!

Es ist seeehr empfehlenswert, während der Sommerferien eine Nachholschule zu organisieren, das hat mir sehr geholfen!!!

Ansonsten fällt mir ehrlich gesagt nichts mehr ein, aber bei Fragen könnt ihr mir natürlich gerne eine Mail schreiben oder mich in der Schule ansprechen!